Gordon Welters arbeitet seit 1998 freiberuflich als Fotojournalist, vorwiegend für nationale und internationale Magazine und Zeitungen sowie für Nichtregierungsorganisationen, Unternehmen und Werbeagenturen. 2003 studierte er Fotojournalismus am London College of Communication, seit 2006 wird Gordon Welters von der Fotoagentur laif vertreten. Neben regelmäßigen Auftragsarbeiten, u. a. für die New York Times, widmet er sich in seinen freien Projekten sozialen Themen und Geschichten, die vom Menschsein erzählen.

Wie sind Sie zur Fotografie gekommen?

Mit Anfang 20 kaufte ich meine erste Kamera, denn ich wollte damals unbedingt mein Leben in Bildern festhalten – die Orte, an die ich reiste und die Menschen, denen ich unterwegs begegnete. Heute betrachte ich Fotografie vielmehr als eine spannende Auseinandersetzung mit Identitätsentwürfen.

Was ist der schwierigste Aspekt Ihres Berufes?

In oftmals sehr kurzer Zeit tief in das Leben anderer Menschen einzutauchen, denke ich. Das erfordert Empathie, vor allem aber beiderseitiges Vertrauen.

Menschen die keiner will beleuchtet die Diskriminierung behinderter Menschen. Was hat Sie zu dieser Serie motiviert?

Ich las Anton Tschechows Krankenzimmer Nr. 6, eine Kurzgeschichte über eine Irrenanstalt in Russland. Rund 120 Jahre nach Veröffentlichung dieser Erzählung wollte ich herausfinden, wie sich die Situation für Menschen mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen seither verändert hat. Im Psycho-Neurologischen Internat Nr. 3 in Peterhof (Russland) traf ich dann Freiwillige aus Deutschland und war tief bewegt von ihrem altruistischen Engagement für die Heimbewohner.

Was war der erfreulichste Moment Ihrer Karriere?

Für den Essay Geh, meine Schöne traf ich Dana, eine junge Frau, die an Krebs erkrankt war, 19 Tage vor ihrem Tod. Ich besuchte sie fast täglich im Krankenhaus. Trotz ihrer Krankheit blieb sie positiv gestimmt. Denn sie hatte zum Teil einander fremde Menschen zu einem Freundeskreis formiert, der nicht nur bis zum Ende an ihrer Seite blieb, sondern innerhalb dessen sich die Mitglieder gegenseitig zu unterstützen vermochten. Auf diese Weise war ein einzigartiges Netzwerk entstanden. Dana wollte diese Idee nach Außen tragen, als Anregung für andere Erkrankte, deren Familien und Freunden. Die Fotoausstellung Geh, meine Schöne bewegte die Besucher, einige weinten still, andere kamen miteinander ins Gespräch. Zu erkennen, dass Danas Geschichte Menschen hilft sich zu öffnen und über eigene Ängste sowie Erfahrungen mit dem Tod zu sprechen, war und bleibt für mich ein besonderer Moment.

Gibt es einen Fotografen, dessen Arbeiten Sie besonders schätzen?

Ich finde Eugene Richards Arbeiten aufgrund des sensiblen Zugangs und der unglaublichen Nähe zu seinen Protagonisten, beeindruckend. Bei Anders Peterson bewundere ich die Ausdruckskraft seiner Bilder. Und ich mag Homer Sykes wegen seiner Fähigkeit, Alltägliches stets mit einem Augenzwinkern abzubilden.

[Auszüge aus einem Interview mit YOUMANITY]